Epidemiologie

Die mikroskopische Kolitis wurde lange Zeit in ihrer Häufigkeit und klinischen Relevanz unterschätzt. Neuere epidemiologische Studien aus Europa und Nordamerika zeigen jedoch, dass die Inzidenzraten deutlich gestiegen sind. So ergab eine populationsbasierte Studie aus Kanada, dass die Inzidenz der mikroskopischen Kolitis über einen Zeitraum von vier Jahren von 16,9/100.000 auf 26,2/100.000 anstieg. Im Vergleich waren die Inzidenzraten für den Morbus Cohn und die Colitis ulcerosa in derselben Population mit 16,5/100.00 und 11/100.000 sogar niedriger (Stewart et al. 2011).

Ein dänisches Pathologieregister dokumentierte eine kontinuierliche Zunahme der Erkrankung im Zeitraum 2002 bis 2011 – sowohl für die kollagene als auch für die lymphozytäre Kolitis (Wigh et al. 2013). Nach Berechnungen der Ärzte lag die kombinierte Inzidenz bei 24,7/100.000 im Jahr 2011 (Tabelle). Die mikroskopische Kolitis entspricht somit annähernd der Häufigkeit der klassischen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa (Olesen 2004; Stewart 2011).

Ungeklärt bleibt, ob es sich um eine reale Zunahme der Erkrankung handelt oder ob durch eine erhöhte ärztliche Aufmerksamkeit die Erkrankung öfter diagnostiziert wird. Die Tatsache, dass sich die Zahl der Kolonbiopsien von 21.583 auf 39.733 in den letzten Jahren nahezu verdoppelt hat, lässt vermuten, dass auch eine wachsende Wachsamkeit für die steigenden Inzidenzraten mitverantwortlich sein könnte.

Gründe für regionale Unterschiede in den Inzidenzraten sind nicht bekannt. Vielleicht spielen Unterschiede in der Genetik, Umweltfaktoren, dem Zuweisungsmuster, dem Studiendesign oder den jeweils verwendeten diagnostischen Kriterien eine Rolle.