Zwillinge gesucht!
Mit Erbgut-Analysen den Entzündungsprozess entschlüsseln?
Mit einem innovativen Forschungsansatz wollen jetzt Wissenschaftler des Kompetenznetz Darmerkrankungen den Krankheits-Ursachen und -Mechanismen von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa auf die Spur kommen: Die Kieler und Hamburger Institute des Forschungsverbunds untersuchen das Erbgut von Zwillingen - Gesunden wie Erkrankten -, um so weitere Hinweise auf die Bedeutung genetischer wie auch zivilisatorischer Einflüsse für die Entzündung des menschlichen Verdauungstrakts zu gewinnen.
„Wir streiten uns selbst, wer da wer ist“, schmunzelt Julia über das Urlaubsfoto von sich und ihrer Schwester Anika: Es zeigt zwei junge Frauen, Anfang zwanzig, fröhlich lächelnd, aus blauen Augen, beide haben blonde Haare - kein noch so kleiner Unterschied ist festzustellen. Anika und Julia sind eineiige Zwillinge. Und sie gleichen sich nicht nur äusserlich, sie haben auch die selben Hobbies und Interessen.
Eines aber unterscheidet die beiden Hamburgerinnen doch: Anika leidet an Morbus Crohn, vor einem Jahr hat sich ihr Dickdarm entzündet, von einem Tag auf den anderen - chronisch, also unheilbar. Julia ist sofort bereit, mit ihrer erkrankten Schwester an einer neuen Studie im Rahmen des Kompetenznetzes Darmerkrankungen teilzunehmen: dabei werden die Erbanlagen von Zwillingen - Eineiigen wie auch Zweieiigen - untersucht. Was hat Anika, was Julia nicht hat? Was macht Anika krank?Um das herauszufinden, untersuchen die Wissenschaftler des Forschungsverbunds das Blut und Gewebeproben des Darms der beiden Schwestern bis ins kleinste Detail: „Wir prüfen spezifische Merkmale und wollen dabei mögliche Auffälligkeiten feststellen, um so genetische und zivilisatorische Faktoren der Darmentzündungen und deren jeweils konkrete Bedeutung für die Krankheitsentstehung zu identifizieren“, sagt Andreas Raedler, Chefarzt am Hamburger Asklepios-Westklinikum. Dafür untersucht der Mediziner mit seinen Mitarbeitern beispielsweise die Zusammensetzung der Darmflora der Zwillinge. Denn für Crohn- und Colitis-Patienten ist charakteristisch, dass vergleichsweise wenig unterschiedliche Bakterien in ihrem Verdauungstrakt vorhanden sind - und für deren Analyse steht den Kompetenznetz-Forschern die weltweit präziseste Methodik zur Verfügung. Zudem wird bei den Zwillingen die Aktivität jener Gene überprüft, die von den Wissenschaftlern als mitursächlich für die Krankheitsentstehung entschlüsselt worden sind. So kann wiederum der Mechanismus der - genetisch ausgelösten - vermehrten Produktion von entzündungsfördernden Botenstoffen oder der verringerten Anzahl an Eiweissen, die ihrerseits die Darmschleimhaut vor Entzündungen schützen, nachgewiesen werden. Raedler: „Für diese Erfolg versprechenden Analysen benötigen wir zwei identische oder weitgehend ähnliche Erbanlagen, wie sie eben nur Zwillinge aufweisen.“
Die akribischen Untersuchungen der Forscher sind langwierig. Bei Anika und Julia aber gibt es schon erste Resultate: können die beiden sich selbst kaum unterscheiden, wissen sie nun, dass die an Morbus Crohn erkrankte Anika im Blut mehr Antikörper hat, die Bakterien in ihrem Darm bekämpfen, als ihre Zwillingsschwester. Überdies wurden bei Anika auch vermehrt sogenannte Auto-Antikörper gefunden - Blutbestandteile, die sich fälschlich agressiv gegen den eigenen Organismus richten und diesen entzünden.
Jetzt sind Julia und Anika gespannt, was Studienleiterin Martina Spehlmann noch alles an Unterschieden zutage fördert: In den nächsten Wochen testet sie weiter das Blut und Gewebe der scheinbar so gleichen Schwestern - wie auch die Proben von 40 weiteren Zwillingen, die sich inzwischen an der Studie beteiligen: „Wir sind guter Hoffnung, mit dieser Studie mehr über den Krankheitsprozess chronisch entzündlicher Darmerkrankungen zu erfahren - um mit diesem Wissen dann für die Patienten noch bessere Therapien entwickeln zu können“, sagt Spehlmann - und sucht weitere Studienteilnehmer. Die haben durchaus etwas davon mitzumachen: sie werden von Deutschlands führenden CED-Ärzten und -Wissenschaftlern nicht nur individuell beraten, sondern erhalten auch stets die neuesten Informationen zu Ernährung, psychotherapeutischer Unterstützung und innovativen Behandlungsmethoden. Alle Untersuchungen sind kostenlos, die Reisekosten werden erstattet. Interessierte Zwillinge wenden sich bitte an das Kompetenznetz Darmerkrankungen: 0431/597-3184 oder 0172/4362735 oder per E-Mail
Interessenten aus Österreich erhalten weitergehende Informationen auch im Wiener Sekretariat der Zwillingsstudie: 01-9415510 oder per mail: Karin Konrad
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| Juni 2007: 46 der fast 200 Zwillingspaare, die an der Studie "Zwillinge mit Darmerkrankungen" teilnehmen, sind nach Hamburg gekommen - um sich von den Medizinern und Wissenschaftlern über die Fortschritte in der Crohn- und Colitis-Forschung informieren zu lassen. |
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Weitere Informationen (Links) zu diesem Thema:
HealthTwist GmbH |