Einteilung nach Erkrankungsverläufen
Die Erfassung spezifischer Molekularer Marker
Im Rahmen der Forschungsarbeiten des Kompetenznetzes Darmerkrankungen konnten sehr unterschiedliche Verläufe der Erkrankungen beobachtet werden. Deshalb wurden von den Wissenschaftlern Anstrengungen unternommen, bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen spezifische Typen von Erkrankungsverläufen zu identifizieren und in veschiedene Gruppen einzuteilen. Mit Erhebung und Erforschung der jeweiligen CED-Verläufe könnte die Behandlung des Patienten zukünftig zielgerichteter erfolgen.
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Beim Morbus Crohn ist der blande (nicht fistelnde, abszedierende oder stenoisierende), der stenosierende u. der penetrierende (fistelnde und/oder abszedierende) Typ zu unterscheiden. Es zeigen sich immer wieder typische blande Verläufe, die auf etablierte Standardtherapien gut ansprechen, aber auch sehr schwere Verläufe, die steroidabhängig/steroidrefraktär mit schweren Belastungen für die Patienten und oft multiplen chirurgischen Eingriffen verbunden sind. |
Es wird angenommen, dass den unterschiedlichen Verlaufsformen verschiedene pathophysiologische Störungen zugrunde liegen. Bei anderen Erkrankungen hat die Erfahrung gezeigt, dass die Unterscheidung von Subgruppen anhand von pathophysiologischen Unterschieden eine spezifischere und damit bessere Therapie erlaubt, die der individuellen Situation adäquater ist.
Bisher wurden verschiedene Systeme benutzt, um Untergruppen bei Patienten z.B. mit Morbus Crohn zu bilden. Hierfür dienten spezifische Kriterien: KrankheitsaktivitätFür klinische Studien wurden sehr unterschiedliche Aktivitätsindizes entwickelt. Diese Umfassen jeweils eine unterschiedliche Anzahl objektiver und subjektiver Parameter und korrelieren teilweise untereinander sehr eingeschränkt. Ihre Zielrichtung ist häufig nicht eine Untergruppierung der Erkrankung, sondern die schnelle Erfassung von Medikamentenwirkungen.Schwere der ErkrankungVerschiedene Methoden und Beurteilungsindizes wurden angewandt, um die Schwere der Erkrankung einzuschätzen. So wurden die Notwendigkeit chirurgischer Interventionen, die Therapierefraktärität, die Ausdehnung der Erkrankung, das endoskopische Erscheinungsbild und verschiedene andere bildgebende Verfahren als Kriterien herangezogen. Diese Parameter können allerdings ebenfalls durch verschiedene Behandlungsmethoden stark beeinflusst werden und sind nicht geeignet, Patienten-Subgruppen mit unterschiedlicher Pathophysiologie zu definieren. Sie korrelieren mit Ausnahme des Kriteriums der Ausdehnung der Erkrankung nicht mit der Prognose.ÄtiologieEs ist anzunehmen, daß weder der Morbus Crohn noch die Colitis ulcerosa wirklich jeweils eine einzige Krankheitsentität darstellen. Daher ist auch wahrscheinlich, daß mehrere ätiologische Mechanismen existieren, die zu unterschiedlichen klinischen Symptomen führen. Es scheint klar zu sein, daß sowohl die genetische Suszeptibilität als auch Umweltfaktoren eine wichtige Rolle spielen. Ein definierter ätiologisch relevanter Einzelfaktor konnte bisher jedoch nicht identifiziert werden. Eine Klassifikation ist daher aufgrund einer definierten Ätiologie bisher nicht möglich.PhänotypDie Lokalisation und das Verhalten der Erkrankung beeinflussen die Prognose. Es scheint eine Korrelation mit bestimmten Genotypen oder Serotypen bzw. deren Kombination zu existieren. Für Lokalisation und Verhalten (fistelnd, stenosierend, blande) existiert eine hohe intraindividuelle Konsistenz. Interventionen (chirurgisch oder medikamentös) verändern weder Lokalisation noch Verhalten grundlegend. Dies kann als zusätzlicher Hinweis auf verschiedene Krankheitsentitäten gewertet werden. Ziel der Kompetenznetz-Studien ist entsprechend die molekular-epidemiologische Charakterisierung eines longitudinalen Krankheitsverlaufs und die Erarbeitung von prädiktiven Parametern zur Vorhersage eines Therapieerfolgs.
Durch die Erfassung molekularer Marker der Darmentzündung in der intestinalen Lamina propria wie z.B. Zytokine, Chemokine, Zytokinantagonisten, Proteine der entzündlichen Signaltransduktion werden phänotypisch charakterisierte Patientengruppen weiter unterschieden. Eine konsequente Durchführung dieses Ansatzes kann nur vernetzt - wie im Kompetenznetz Darmerkrankungen - erfolgen, da die Sichtung einer großen Anzahl von Patientendaten und die Analyse einer großen Anzahl von Patientenproben Grundbedingung ist.
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