Impfungen: eine wichtige Komponente des Infektionsschutzes!

PatientInnen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) haben bei schwerem Krankheitsverlauf ein erhöhtes Risiko, an Infektionen zu erkranken. Bei einer Behandlung mit Immunsuppressiva ( z.B. Azathioprin, TNF-alpha-Antikörper usw. ) steigt dieses Risiko noch einmal deutlich an.

Es sollte daher alles Mögliche getan werden, um eine Gefährdung durch Infektionen zu vermeiden. Für zahlreiche Infektionen kann das Risiko einer Erkrankung durch vorbeugende Impfungen deutlich gesenkt werden; bei einer beträchtlichen Anzahl von Infektionen ist ein solcher vorbeugender Schutz leider bisher nicht möglich ( z.B. Tuberkulose unter TNF-alpha-Antikörper-Behandlung).

Die Impfstrategie für CED-Patienten ist im Grunde einfach:

  1. Wird eine CED erstmals diagnostiziert, sollte das Thema „Impfungen“ frühzeitig gegenüber dem Patienten angesprochen werden.

  2. Die Standardimpfungen nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) sollten überprüft und ggf. eine Auffrischimpfung vorgenommen werden. Dies wird in der Regel beim Hausarzt geschehen, der auch bisher den Patienten geimpft hat.

  3. Macht der anfängliche Krankheitsverlauf den späteren Einsatz von Immunsuppressiva wahrscheinlich, sollten zusätzliche Impfungen außerhalb des üblichen Impfprogrammes durchgeführt werden ( z.B. Grippe- und Pneumokokken-Impfung auch bei jungen Patienten, Hepatitis-B-Impfung )

  4. Impfungen mit Lebendimpfstoffen ( z.B. gegen Windpocken und Masern) dürfen keinesfalls während einer schon laufenden immunsuppressiven Therapie oder kurz davor oder danach durchgeführt werden ! Die Impfung könnte in diesem Fall selbst eine Infektion auslösen! Impfungen mit Totimpfstoffen (das sind die meisten Impfstoffe) sind dagegen auch unter immunsuppressiver Therapie ohne Gefährdung möglich – allerdings kann die Antikörperbildung dann vermindert sein ( ggf. Kontrolle Antikörper-Titer ).

  5. Für PatientInnen mit CED sollte ein möglichst umfassender Impfschutz angestrebt werden. Die Impfungen müssen im Impfbuch genau dokumentiert werden; das Impfbuch ist somit bei CED-Patienten ein ganz wichtiges  Behandlungs-Dokument.  Vor Einleitung einer immunsuppressiven Therapie sollte der dokumentierte Impfschutz überprüft werden.

  6. Impfungen können nicht alle Infektionsrisiken des/der CED-PatientenIn unter Immunsuppression vermeiden. Die Aufklärung des Patienten über diese Risiken und die entsprechende Überwachung bleiben daher unabdingbar. Der Patient sollte über die wichtigsten Krankheitszeichen einer akuten Infektion informiert sein und im Krankheitsfall unverzüglich den behandelnden Arzt erreichen können.