Darmerkrankungen: Chronisch oder temporär?

Von einer Darmerkrankung ist fast jeder zweite Bundesbürger im Laufe seines Lebens mehr oder minder einmal betroffen. Meist ausgelöst durch eine Essensunverträglichkeit, Bakterien oder Viren treten häufig Symptome in Form von Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und / oder Durchfall auf, die typischerweise nach ein bis zwei Wochen vorüber sind und keine Folgeerscheinungen hinterlassen. Anders ist es bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, mit denen sich das Kompetenznetz Darmerkrankungen intensiv beschäftigt. 

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) unterscheiden sich von den anderen Darmerkrankungen durch wiederkehrende und teils anhaltende kontinuierliche Krankheitsschübe, die auch ohne einen äußeren Anlass beginnen können. Die beiden häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sind der Morbus Crohn – eine nach dem Arzt B.B. Crohn benannte Krankheit - und die Colitis ulcerosa – eine geschwürige Dickdarmentzündung.

Beide Krankheitsbilder werden erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts intensiver beobachtet. Die Zahl der Erkrankungen nimmt kontinuierlich zu, vor allem in Nordeuropa sind immer mehr Menschen betroffen – in Deutschland derzeit ungefähr 400.000 Menschen – Männer und Frauen mit etwa gleicher Häufigkeit. Die Krankheiten brechen besonders häufig im Alter von 15 bis 35 Jahren aus, können aber auch erst mit einem zweiten Gipfel ab einem Alter von 60 Jahren erstmalig Beschwerden verursachen.

Heilbar sind die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nicht, die Krankheitsschübe lassen sich jedoch mit medikamentöser Behandlung und einer Anpassung der Lebensgewohnheiten an Häufigkeit und Intensität reduzieren.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Bei beiden Erkrankungen sind die Symptome ähnlich: PatientInnen leiden unter Bauchschmerzen, häufigen, zum Teil blutigen Durchfällen sowie bei länger anhaltenden Schüben unter Gewichtsverlust und Schwäche. Darüber hinaus können Beschwerden auch außerhalb des Magen-Darm-Traktes auftreten, z.B. an den Gelenken und der Haut.

Ob es sich dabei um Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa handelt, kann der Arzt nach der Befragung und körperlichen Untersuchung über weiterführende technische Untersuchungen klären: Ultraschall, Spiegelung (Endoskopie) des Verdauungstrakts einschließlich neuerer Verfahren, ggf. Kernspintomographie oder Computertomographie geben Aufschluss darüber, ob der Darm und konkret, welcher Darmabschnitt, betroffen ist, ferner, ob es zu Komplikationen gekommen ist. Danach lässt sich genau erkennen, ob es sich um Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa handelt: Der Morbus Crohn kann nämlich den gesamten Magen-Darm-Trakt vom Mund bis zum After befallen, ist aber am häufigsten im letzten Dünndarmabschnitt am Übergang zum Dickdarm lokalisiert, die Colitis ulcerosa ist hingegen auf den Dickdarm beschränkt. 

Die psychosoziale Dimension ist ein wesentlicher Faktor chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen, da das Leiden viele junge Menschen trifft, einen chronischen Verlauf nimmt und mit tabuisierten Beschwerden einhergeht. Durchfälle, Schmerzen, Fisteln sind eine nicht sichtbare Belastung, die auch von vielen Ängsten begleitet sein kann. Da die Erkrankungen zurzeit noch nicht geheilt werden können, ist eine Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens und der Lebensqualität der Betroffenen eines der wichtigsten Ziele der Therapie.